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Wrackbergungen Landkreis Gießen/Marburg

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       Harbach 02.März 1944        

Uffz. Hans Lämmel 9. Staffel JG 3

An diesem Donnerstag, den 02. März 1944 fand unter der Tarnbezeichnung Mission 244 der erste Tagesangriff der 8th US-Airforce im Monat März statt. Als Angriffsziel wurden den B-17 Flying Fortress und den B-24 Liberators der 1st und 2nd Bomb Division die Stadt Frankfurt am Main zugewiesen. Insgesamt sollten 481 Bomber unter dem Schutz von 589 Begleitjägern, darunter erstmals Jäger vom Typ P-51 Mustang, von den englischen Einsatzbasen aus starten, um Verkehrs- und Industrieziele im Raum Frankfurt anzugreifen. Letzendlich starteten 375 Bomber, 33 Lightnings der 364th Fighter Group, 445 P-47 Thunderbolts von verschiedenen Fighter Groups und 111 brandneue P-51 Mustangs der 4th und 357th Group mit Ziel Frankfurt. Der Einsatz der deutschen Jagdabwehr war durch schlechte Wetterbedingungen erheblich beeinträchtigt. Über allen Einsatzhäfen der Luftwaffe lag in 500m Höhe eine geschlossene Wolkendecke mit Schnee- und Regenschauern.  Die Wolkenobergrenze betrug 500m. Dies verhinderte den Einsatz von geschlossenen Verbänden der Luftwaffe und lediglich drei Gruppen kamen über dem Reichsgebiet zum Einsatz. Neben der I. und III. Gruppe des JG 1 starteten auch die Maschinen der III. Gruppe des JG 3 von Leipheim aus,  nachdem gegen 11:45 Uhr der einfliegende amerikanische Bomberverband den Rhein überquerte.  Im Raum Gießen/Marburg trafen dann die Piloten des JG 3 auf den amerikanischen Jagdschutz. Es waren Mustangs der 357th Fighter Group, die nun mit ihren neuen Langstreckenjägern vom Typ P-51, die deutsche Gruppe aus der Überhöhung angriffen. Es entwickelten sich schwere Luftkämpfe, die sich über den Ebsdorfergrund, über Gießen bis in den Vogelsberg hinzogen. Die Taktik der Amerikaner war es, die deutschen Jäger noch vor Erreichen der Bomberverbände abzufangen und kampfunfähig zu machen.  Die Deutschen versuchten ihrerseits den Jagdschutz der Amerikaner zu durchbrechen, um so an die Bomberformationen zu gelangen.

Der erste Gefallene dieser Luftkämpfe war der 24jährige Unteroffizier Hans Schüler aus Wuppertal. Er gehörte der 9. Staffel des JG 3 an und schlug am Fuße des Leidenhöfer Kopfes in ein Waldstück auf.

Uffz. Hans Schüler

Zeitzeugen beobachteten, wie die Maschine von Unteroffizier Hans Schüler von zwei amerikanischen Jagdflugzeugen fortwährend beschossen wurde. Mit hoher Geschwindigkeit näherte sich seine Maschine einem Waldstück, die Haube der Me 109 öffnete sich und ein schwarzes Bündel sprang heraus. Etwas Helles blähte sich kurz darauf auf und dann stürzte der deutsche Jäger in ein angrenzendes Waldstück. Es gab eine große Explosion, über der die zwei amerikanischen Jagdflugzeuge hinwegzogen. Suchmannschaften aus HJ- und BDM-Angehörigen fanden in der Schneise, die der Flieger beim Eintritt in das Waldstück gerissen hatte, viele menschliche Überreste des Unteroffizieres. Offenbar blieb Hans Schüler beim Absprung in niedriger Höhe mit seinem Fallschirm am Leitwerk der Maschine hängen und wurde mitsamt seiner Maschine durch die Fichtenschonung gezogen. Man fand seine Geldbörse und in ihr das Bild seiner Freundin oder Verlobten. Die gefunden menschlichen Überreste wurden in einem bereitgestellten Sarg gelegt und dieser wurde in der Kirche zu Leidenhofen aufgebahrt. Am nächsten Tag wurde seine Leiche überführt und auf dem Stadtfriedhof von Wuppertal beigesetzt, wo sich auch heute noch sein Grab befindet.

Heinz.Papendick

In einer gesonderten Vitrine im Flugzeugwrackmuseum befinden sich heute einige geborgene Überreste seiner Me 109 und persönliche Ausrüstungsgegenstände von Hans Schüler. Die Luftkämpfe verlagerten sich nach dem Abschuss von Schüler in den Raum Gießen-Vogelsberg. Bei Busenborn wurde der sehr erfahrene Oberfeldwebel Heinz Papendick aus der III. Gruppe des JG 3 abgeschossen. Seine Maschine schlug hart auf einen Abhang an der Dorfgrenze zu Busenborn auf und rollte brennend auf eine Scheune zu. Dort kamen die Überreste zum Stillstand und setzten dabei noch die Scheune in Brand. Am nächsten Tag traf eine Bergungsmanschaft vom Fliegerhorst Gießen ein, um die Überreste der Maschine und des Piloten zu bergen. Dabei kam es noch zu einem folgenschweren Unglück, als einer der Soldaten beim Hantieren mit einem der MG´s einen Schuß auslöste und dabei einen Kameraden tötete. Die sterblichen Überreste von Heinz Papendick wurden nach Menden überführt und dort auf Wunsch seines Pflegevaters Max Junker beigesetzt.

Aber nicht alle Jäger der III. Gruppe des JG 3 wurden in Luftkämpfe mit den amerikanischen Jägern verwickelt. Einigen deutschen Piloten gelang es trotz des massiven amerikanischen Jagdschutz bis zu den einfliegenden Bomberverbänden vorzudringen. Erwin Hensel befand sich auf Fronturlaub von der Ostfront in Harbach, als er zur Mittagszeit beobachtete, wie ein einzel fliegender deutscher Jäger sich den Bomberverbänden näherte.  Plötzlich kippte das Flugzeug nach vorne ab und ging steil nach unten. Die Flugzeughaube löste sich aber kein Fallschirm wurde sichtbar. Offenbar wurde der Pilot vom Bordwaffenfeuer aus den Bombern getötet oder war nicht mehr in der Lage sich aus der abstürzenden Maschine zu retten. Das Flugzeug stürzte aus großer Höhe steil auf einen Acker ab. Erwin Hensel rannte zu der Absturzstelle und sah einen flachen Trichter aus dem ein wenig Rauch aufstieg. Tief unten vermeinte er noch die expoldierende Munition zu hören. An der Oberfläche selbst lagen nur wenige zerfetzte Bleche des Jägers herum. Ein Bergetrupp vom Flugplatz Ettingshausen unternahm noch den Versuch einer Bergung, der aber auf Grund der Tiefe scheiterte.  Sie sondierten das Wrack mit langen Eisenstangen in einer Tiefe von über 3 Metern. Da die Identität des deutschen Piloten schnell feststand, verzichtete man jedoch auf die Bergung der Leiche und des Flugzeugwracks. In den mitgeführten Sarg legte man ein aufgefundenes Ohr mit abgrissener Kopfhaut und wenige Flugzeugteile.

Einmessung mit der Förstersonde

Über die Jahre hingweg konnte Hensel das Schicksal des deutschen Piloten, der tief unten im Acker verborgen blieb, nicht loslassen. Insgesamt 51 Jahre sollten vergehen, bis die Initiative Fliegerschicksale Hensel aufsuchte und von ihm die Absturzstelle auf seinem Acker gezeigt bekommen sollte. Schnell war der Entschluss gefasst  das Flugzeug und den Piloten zu bergen. Vermutungen, um welchen Piloten es sich bei dem Absturz gehandelt haben könnte gab es - aber zur entgültigen Klärung brauchte man noch nähere Erkenntnisse und Beweise. Am 28.Oktober 1995 fand, nachdem alle notwendigen Genehmigungen eingeholt waren, die Bergung des Jagdflierges statt. Mit einer Förstersonde wurde das in Frage kommende Gelände eingemessen und nach einer Weile konnte die richtige Stelle auch lokalisiert werden.

Abziehen des Ackerbodens

Kurze Zeit später begannen die Ausgrabungsarbeiten  und nach einem halben Meter konnte man bereits die ersten Bodenverfärbungen des Kraters erkennen. Reste von Glasflaschen, Dachziegeln und Tonscherben kamen mit der Baggerschaufel zu Tage. Ein Zeichen, dass der Krater später mit diesem Hausrat und Müll verfüllt wurde. Mit jeder neuen Baggerschaufel wurde die Erde schwärzer und die ersten verbrannten Aluminiumbrocken eines Flugzeuges kamen zu Tage. Plötzlich gab es ein dumpfes Knirschen als die Baggerschaufel auf große Metallstücke traf.

Cockpitbereich mit den sterbl. Überresten

Der Boden gab dann die ersten Flugzeugtrümmer frei. Mit jeder Schaufel kamen aufschlussreiche Flugzeugteile an das Tageslicht. Das Spornrad mit Sporn, Teile der Rumpfbeplankung und der selbstdichtende Tank des Flugzeuges. Dann folgte eine Schaufel mit der Sitzpanzerung und den Überresten der Pilotenkanzel. Sorgfältig wurde dieser Aushub untersucht und unter der Sitzplatte kam der noch ungeöffnete Fallschirm des Piloten zu Tage. Mit jedem weiteren Aushub kamen  menschliche Überreste, vermischt mit Flugzeugteilen an das Tageslicht. Durch die Bodenbeschaffenheit und den luftdichten Abschluss hatten sich alle Teile hervorragend erhalten. Teile der Fliegerkombination, ein blauer Strickpullover, die Kanalhose, Fliegerstiefel mit Socken und skelettierten Fußknochen und viele weitere persönliche Dinge des Piloten kamen zum Vorschein.  Inzwischen hatte sich der Bagger bis auf eine Tiefe von 7 Metern vorgearbeitet. Viele Flugzeugteile und eine Masse an Munition wurden geborgen. In ca. 8m Tiefe stieß dann die Baggerschaufel auf den mächtigen Motorblock eines Daimler Benz Motors vom Typ 605 und das Propellergetriebe. Der Motor war durch die ungeheuere Wucht des Aufschlages in zwei Teile zerbrochen aber das Metall sah aus wie neu und selbst die Ventilkipphebel ließen sich bewegen.

Mit dem Fund des Motorblock und anderer aufschlussreicher Teile der Maschine konnte sich der Typ auf eine Me 109 der Typreihe G begrenzen. Nach Durchsicht der aufgefundenen Kleidungsüberreste konnte ein Koppelschloss mit Lederriemen für Manschaftsdienstgrade entdeckt werden. Ein Hinweis darauf, dass es sich bei dem gefallen Piloten nicht um einen Offizier, sondern um einen Mannschaftsdienstgrad handeln musste. In einer kleinen Tasche der Fliegerkombination fand sich dann noch die Erkennungsmarke des Fliegers, säuberlich mit dem Trageband umwickelt an. In einer Tasche der Kanalhose steckte noch ein Schlüsselbund mit verschiedenen Schlüsseln und es fand sich ein Taschentuch mit aufgenähten Wäschezeichen.  Diese Beweisstücke reichten aus, um den Flieger als den Unteroffizier Hans Lämmel, geb. am 13.03.1921 in Chemnitz, Angehöriger der 9. Staffel des JG 3 zu identifizieren.  

Mit Abschluss der amtlichen Formalitäten und der amtlichen Bestätigung der Wehrmachtsauskunftstelle in Berlin, dass es sich bei dem gefallenen Flieger um den Unteroffizier Hans Lämmel aus Chemnitz gehandelt habe, konnte nun die Beisetzung des gefallen Fliegers stattfinden. Auf Wunsch von Erwin Hensel, der bis heute seinen vermißten Bruder in Finnland nicht finden konnte, sollte das Grab auf dem Ortsfriedhof in Harbach angelegt werden. Eine Rücküberführung der sterblichen Überreste auf den Friedhof von Chemnitz (hier existiert bis heute sein Scheingrab und eine Gedenktafel) wurde von der WAST und der Kriegsgräberfürsorge nicht in Erwägung gezogen. Nachdem der Ortsbeirat Harbach zugestimmt hatte, fand am Freitag, den 24.November 1995 im kleinen Kreis die Beerdigung von Hans Lämmel in Harbach statt.

Am Sonntag, den 26.November 1995 fand dann die eigentliche Trauerfeier mit über 300 Teilnehmern in Harbach vor dem Ehrenmal der Gefallenen statt.  Die Grabstelle von Hans Lämmel befindet sich heute vor dem Ehrenmal auf dem Ortsfriedhof in Harbach. Im Flugzeugwrackmuseum in Ebsdorf können die gefundenen Wrackteile und Teile seiner persönlichen Ausrüstung besichtigt werden. In dem Buch " Vergilbte Akten - Verglühtes Metall Band 1 " kann man die ganze Geschichte von Hans Lämmel und der Bergung nachlesen. Trotz umfangreicher Nachforschungen konnte leider kein Bild von Hans Lämmel, 9. Staffel JG 3 aufgefunden werden. Auch verliefen die Nachforschungen in Chemnitz nach seiner Familie ins Leere. Der Verein Initiative Fliegerschicksale Hessen e.V. würde sich sehr über Hinweise aus der Familie von Hans Lämmel oder über ein Bild von ihm freuen.

Steinheim 30./31.März 1944

Treis/Lumda 24./25.April 1944

Bereits Anfang der 90iger Jahre wurden Mitglieder der Initiative Fliegerschicksale Hessen e.V. auf eine Absturzstelle in der Gemarkung Eichenstumpf bei Treis an der Lumda aufmerksam gemacht. Bei den ersten Untersuchungen an der Absturzstelle wurden Blechteile gefunden, die einem deutschen Flugzeugtyp zugeordnet werden konnten. Allerdings reichten die damals gemachten Funde nicht aus, um den genauen Typ einzugrenzen. Anhand der Bewuchsmarke auf der damaligen Nutzwiese, konnte man gut den Einschlagtrichter, den die Maschine bei ihrem Absturz hinterließ, im Wiesenboden sehen. Bei einer Nachgrabung von Hand konnten weitere Flugzeugteile geborgen werden, die Hinweise auf ein deutsches Jagdflugzeug vom Typ Fw 190 gaben. Hinweise auf eine Einheit oder die Identität des Piloten, liesen sich jedoch mit diesen wenigen Fundstücken noch nicht zuordnen.  Durch Zeitzeugenbefragungen gelang es schließlich ein Absturzdatum ausfindig zu machen und damit dann auch die Identität des Fliegers am Eichenstumpf zu klären. Nachfolgend erfahren Sie seine Geschichte.

In den Nacht von Montag, den 24. April auf Dienstag, den 25. April 1944 griff die RAF mit zwei Verbänden München und Karlsruhe an. Insgesamt 886 Bomber und 16 Mosquitos überflogen gegen 22:25 Uhr die Kanalküste zwischen Dieppe und Le Treport. Zwischen 23:00 Uhr und 23:30 Uhr alarmierte das 1. Jagdkorps die deutschen Nacht-      jagdverbände, die mit ca. 288 einsatzbereiten Maschinen sich im Raum Bonn-Frankfurt versammelten. Die Nachjagdbedingungen in dieser Nacht waren außerordentlich schwierig. Eine 300km breite Kaltfront die sich von Belgien, Nord- bis Mittel- deutschland erstreckte, erschwerte die Naviagation. Regen, Wolken bis in 6000m Höhe, Blitzeis und St. Elmo Feuer machten eine kontrollierte Nachtjagdführung fast unmöglich. So kam es auch, dass die deutschen Einsatzverbände kaum Feindberührung bekamen und das Ziel Karlsruhe erst erkannten, als dort bereits die ersten Bomben fielen. Ebenso blieb der Münchner Verband, der über Annecy aus dem südöstlichen Frankreich über die neutrale Schweiz einflog, lange unentdeckt. 3 Minuten nachdem die ersten Bomben über München fielen, erkannte die deutsche Nachtjagdführung, dass die Stadt München das zweite Ziel der RAF in dieser Nacht sein sollte. Insgesamt 28 Bomber beanspruchten die deutschen Nachtjäger in dieser Nacht abgeschossen zu haben bei 17 eigenen Verlusten. Karlsruhe und  München erlitten in dieser Nacht erhebliche Zerstörungen.

Unter den eingesetzen deutschen Nachtjägern war auch die II. Gruppe des Nachtjagdgeschwaders 300, die seit dem 21. April 1944 in Dortmund auf dem Fliegerhorst stationiert war. In dieser Nacht verlor das JG 300 insgesamt 6 Piloten. Einer von ihnen war der 28 jährige Oberfeldwebel Werner Radant der in der 6. Staffel flog. In der Truppenverlustmeldung ist folgendes über ihn nachzulesen: " Ofw. Radant startete am 24.04.44 zum Feindflug. Einsatzraum: Frankfurt/M. Letzte Verbindung mit Ofw. Radant durch Sprechfunk am 25.04.44, 00:40 Uhr. Seit dem fehlt jede Nachricht.  Zunächst wurde Ofw. Radant als vermisst gemeldet . Erst am 28. Juni 1944 wurde er als gefallen gemeldet und damit die Verlustmeldung abgeschlossen. Laut Auskunft der WaSt. in Berlin ist Werner Radant am 25.04.1944 bei Gießen an der Lahn nach einem Start zum Feindflug gefallen. Er flog eine Fw 190 A-7 mit der Werk.Nr. 340008. Grablage: Heldenfriedhof Ückermünde.

Bei der Bergung von Werner Radant konnte leider keine Erkennungsmarke mehr aufgefunden werden. Die 100% Identifizierung von Ofw. Radant gelang zum einen über das Ausschlussverfahren der bereits bekannten deutschen Verluste, der Zuordnung der Teile zu einer Fw 190 vom Typ A und dem Auffinden eines Blech-fragments mit den letzen 4 aufgemalten Ziffern der Werknummer der Maschine. Damit stand zweifelsfrei die Identität des Fliegers am Eichenstumpf fest und wurde auch so von der WaSt. beurkundet.

In der Zeit vom 23. auf den 24. März 2006 fanden die Ausgrabungsarbeiten am Eichenstumpf statt. Mit Hilfe des THW Grünberg, Angehörigen der Luftkriegs AG Ederbergland, dem Kampfmittelräumdienst des Landes Hessen, Bauunternehmen Will und dem Umbetter des Volksbundes konnten in den zwei Tagen eine Vielzahl von Flugzeugwrackteilen und menschlichen Überresten des Piloten geborgen werden. Die Bergungsabreiten wurden durch die extremen Bodenverhältnisse vor Ort erschwert.  Eine zähe Lehm- und Tonschicht umschloss alle Überreste und erschwerte so dass Auf-finden wichtiger Beweisstücke. Einen großen Dank gebührt auch an dieser Stelle dem Grundstückseigentümer Herrn Wilhelm Kehr aus Treis, der dieser Bergung erst durch sein Einverständnis ermöglichte.

Ein zweiter, wichtiger Baustein bei der Suche nach vermißten oder verschollenen Flug- zeugbesatzungen ist die Kontaktaufnahme zu Angehörigen der Besatzungsmitglieder der abgestürtzen Maschinen durch den Verein. Gerade bei den Vermißenschicksalen ist es immer wieder erstaunlich zu sehen, wie auch nach über 70 Jahren sich die Verwandten der Gefallenen über die Aufklärung der Schicksale ihrer Väter, Großväter, Brüder freuen. Für viele endet mit der Identifizierung und Benachrichtigung über ihren Angehörigen eine Ungewissheit, die teilweise nun seit über 70 Jahren schon anhält. Für viele Angehörige ist damit ein Punkt erreicht, der ihnen hilft nun entgültig Abschied nehmen zu können, einen Ort der Trauer zu haben und die Gewissheit zu haben, was mit ihrem Angehörigen im zweiten Weltkrieg passiert ist.  Auch im Fall des Ofw. Radants konnten wir Angehörige ausfindig machen und somit seine "private" Geschichte aufklären.

Werner Georg Aufust Radant wurde am 04.10.1916 als Sohn der Eheleute Marta Anna Elisabeth Radant, geb. Arndt und des Georg Max Otto Radant geboren. Zur Zeit seiner Geburt weilte der Vater als Soldat im ersten Weltkrieg. Der Vater war nach dem Krieg Pfleger in der Landesheilanstalt in Ueckermünde. Die Radants wohnte in der Kamigstrasse 7 und dem Vater stand noch eine Dienstwohnung in der Landesheilanstalt zu Verfügung.  Dort wurde auch Werner Radant geboren. Nach der Schulzeit, einer evt. Lehre und der Dienstzeit im RAD wurde Radant zum Militärdienst eingezogen. Dort trat er in das Kavallerieregiment 6 ein, welches in Schwedt/Oder seinen Standort hatte. Von dort verlegte das Regiment nach Darmstadt und Bensheim. Bei der Mobilmachung 1939 wurde das Regiment aufgelöst und bildete die Aufklärungsabteilungen 33,34 und 36. Radant tat als Angehöriger in der Schweren Schwadron der Aufklärungsabteilung 33 seinen Dienst. Ende 1939, Anfang 1940 wechselte Radant von der Kavallerie zur Luftwaffe über. Seine Erkennungsmarke, die auf die "Schwer Schwadron 33" ausgestellt war, sollte er bis zu seinem Tode tragen.  Wie aus den Unterlagen des Personalamtes der Luftwaffe hervorgeht, tritt Radant der Luftwaffe bei und befindet sich bis zum 01.12.1940 an der Fliegerschule Brandenburg Briest. Dort werden in erster Linie Flug-zeugführer für die Kampffliegerei ausgebildet. Von dort erfolgt dann die Versetzung  an die Flugzeugführerschule der Luftwaffe AB 110 nach Stubendorf in Schlesien. In dieser Zeit lernt Werner Radant die am 21.05.1925 geborene Annelies Maxara aus Groß Strehlitz in Oberschlesien kennen.  Ihr Vater ist Oberwachtmeister im Gefängnis Neisse. Die Fliegerschule AB 110 fliegt und nutzt im Rahmen der Ausbildung auch die Flug-plätze rund um Stubendorf an. Dazu zählen Neisse und Neudorf.  Annelies Maxara arbeitet in dieser Zeit in Neisse als Sekretärin in einem Büro. Auf einem der zahlreichen Fliegerbälle, die in dieser Zeit gegeben worden sind, lernt sie ihren späteren Verlobten Werner Radant kennen. Die älter Schwester von Annelies war ebenfalls mit einem Flieger liiert und hat diesen später auch geheiratet. Wegen seiner guten fliegerischen Leistungen wird Radant als Fluglehrer in der Aubildung eingesetzt. Es erfolgt die Ernennung zum Uneroffizier. Oster 1942 findet dann die Verlobung zwischen Werner und Annelies statt. Obwohl schon verlobt, wohnten beide aber nicht zusammen. Radant hatte eine Dienstwohnung auf dem Flugplatz, Annelies wohnte bei ihren Eltern in Groß-Strehlitz.

Im Juli 1943 wird die Fliegerschule AB 110 in eine Blindflugschule umgewandelt. Nun werden hier Besatzungen für die Nachtjagd ausgebildet. Einer ihrer Ausbilder ist der Feldwebel Radant. Am 15.10.1943 wird dann die Schule aufgelöst. Radant beschließt sich freiwillig für den Fronteinsatz zu melden. Er will Offizier werden und benötigt dazu Fronterfahrung. Wahrscheinlich kommt Radant schon im Oktober 1943 zum JG 300. Diese Einheit fliegt mit einmotorigen Jägern Nachtjagdeinsätze. Dort dient er in der 6. Staffel. In der Nacht vom 05. auf den 06. Januar 1944 schoss Radant bei Stettin eine Halifax ab und erzielte damit seinen ersten Luftsieg.  Sein zweiter Luftsieg erfolgte in der Nacht vom 24. auf den 24. März 1944 bei Schweinfurt. Zusätzlich konnte er einen weiteren Bomber in dieser Nacht schwer beschädigen. Seinen dritten Luftsieg erzielte er dann in der Nacht vom 30. auf den 31. März 1944 im Großraum Frankfurt. Der Einsatz in der Nacht vom 24. auf den 25. April 1944 sollte Radants vorletzter Einsatz sein. Anfang Mai sollte er zum Offizierslehrgang einberufen werden, Mitte Mai 1944 wollten beide heiraten. Doch dazu sollte es nun nicht mehr kommen.  Annelies reiste nach Treis und holte dort die sterblichen Überreste ihres Verlobten ab und überführte sie zu seinen Eltern nach Ueckermünde.  Dort wurde er auf dem Ortsfriedhof im Bereich des Helden- friedhofes beigesetzt. Beim Einmarsch der Roten Armee in Ueckermünde wurde das Grab beschädigt und dann später von den Behörden der DDR gänzlich abgeräumt. Annelies Maxara hatte bis zu ihrem Tode im Jahre 1998 nicht wieder geheiratet noch sich wieder verlobt. Im Alter von 73 Jahren starb sie an Brustkrebs und wurde in München in aller Stille im kleinsten Kreis beigesetzt. Das Grab der Eltern von Werner wurde 2002 abgeräumt .  Am 10.07.2007 wurde der Sterbefall Radant erneut beim Standesamt Dargun zur Beurkundung angezeigt. Nach Absprache mit den Verwandten und der Kriegsgräberfürsorge Kassel wurde dann entschieden, dass die aufgefunden sterblichen Überreste von Ofw. Werner Radant auf der Kriegsgräberstätte Kloster Arnsburg bei Lich beigesetzt werden sollen. Am Samstag, den 27. Oktober 2007 fand in einem kleinen Kreis die Bestattung von Werner Radant auf der Kriegsgräberstätte Kloster Arnsburg statt.

Vollnkirchen 12.Mai 1944

Uffz. Gerhard Neukötter 2. Staffel JG 1

Der 12.Mai 1944 war ein schöner, sonniger Freitag. An diesem Tag flogen 890 amerikanische Bomber und 910 Begleitjäger einen folgenschweren Einsatz auf die deutsche Treibstoffindustrie. Ein Ziel war unter anderem die Treibstoffwerke im mitteldeutschen Leuna, Böhlen, Zeitz, Lützkendorf sowie Zwickau und Brüx. Das deutsche Reich verfügte selbst über keine nenneswerten Erdölvorkommen und war somit auf Importe - überwiegend aus dem verbündeteten Rumänien - und der synthetischen Treibstoffproduktion angewiesen. Das Ziel der 8. US Luftflotte war es mit Beginn des 5 Mail 1944 die Produktionsstätten so schwer zu treffen oder zu vernichten, dass die deutsche Treibstoffproduktion und der Nachschub an Treibstoffen und Ölen zum Erliegen kam bzw. nachhaltig gestört wurde.  Um ihre wertvollen Produktionsstätten zu schützen, brachte die deutsche Luftverteidigung  16 Tagjagdgruppen und 2 Zerstörergruppen mit 470 Maschinen auf, um die einfliegenden amerikanischen Bomberverbände und deren Begleitschutz empfindlich zu treffen. Zwischen 12:00 Uhr und 13:00 Uhr befinden sich die einfliegenden Verbände nördlich von  Frankfurt, über der Wetterau  bis in den Raum Gießen hinein. Zur Abwehr der einfliegenden US-Verbände starten um 11:13 Uhr die Einsatzgruppen  des JG 1 von ihren Liegeplätze in Störmede, Paderborn und Lippspringe aus in den Raum Gießen. An Bord seiner Fw 190 A-8 mit der schwarzen 13 befindet sich der 22 jährige Unteroffizier Gerhard Neukötter aus Herzebrock. Er fliegt an diesem Tag in der 2. Staffel der I. Gruppe des JG 1 den Abwehreinsatz gegen die Amerikaner mit. Um die Mittagszeit treffen die deutschen Abfangjäger im Raum nordöstlich von Marburg auf ca. 50 bis 60 P-47 Thunterbolt die der 56. Fighter Group angehören. Sofort kommt es zu schweren Luftkämpfen, die sich bis in den Raum Gießen verlagern. Im Verlauf dieser Luftkämpfe wird auch die Maschine von Uffz. Neukötter schwer von einem amerikanischen Jäger getroffen. Das Flugzeug ist nicht mehr zu retten und der junge Pilot entschließt sich das Flugzeug mit dem Fallschirm zu verlassen. Er sprengt die Flugzeugkanzel ab, die auf einen Acker bei Rechtenbach niederkommt und verlässt kurz darauf seine Fw 190 mit dem Fallschirm. Zwar gelingt dem Piloten noch der rettende Absprung und der Fallschirm öffnet sich aber beim Aufkommen in einem Waldstück bei Vollnkirchen bricht sich der unglückliche Neukötter das Genick, als er in der Astgabel eines Baumes hängenbleibt.

Gebetsandenken

Viele Zeitzeugen  aus Vollnkirchen und Oberwetz beobachteten wie sich am Himmel die Luftkämpfe abspielten. Plötzlich tauchte ein Flieger auf, der mit hoher Geschwindigkeit in den Heewald sauste. Kurz darauf konnte man am Himmel eine große Stichflamme über dem Wald ausmachen und eine große schwarze Rauchwolke stand über der Absturzstelle des deutschen Jägers. Die Maschine rammte sich in den Waldboden und hinterließ ein großes Loch. Überall lagen noch Flugzeugbrocken herum. Die Tragflächen des deutschen Jägers wurden beim Sturz in den Wald abgerissen und lagen sichtbar mit dem Balkenkreuz umher. Die Absturzstelle wurde kurze Zeit später von Polizei und Wehrmacht abgesperrt. Trotzdem kamen viele Schaulustige zu der Absturzstelle und nahmen das Eine oder Andere was Brauchbar erschien mit nach Hause.

selbstgefertigtes Messer, Griffschalen aus dem Leder von Neukötters Pilotensitz

Der  Pilot selbst wird geborgen und für eine Nacht in der Dorfkneipe Ulm in Vollnkirchen aufgebahrt. Von dort kam seine Leiche zunächst nach Gießen und wurde nach der Identifizierung am 19.05.1944 nach Herzebrock überführt und dort beigesetzt. Teile der Maschine, die von der Luftwaffe geborgen werden, finden den Weg nach Frankreich in das Luftwaffen Instandsetzungswerk Auxerre-Cravant. Dort werden die Überreste der Maschine bei der Einnahme des Werkes am 12.10.1944 durch die Alliierten erbeutet und über die Werknummer erfasst.

Gebetsandenken- Rückseite mit Bild von Neukötter

Im Zeitraum vom 04.März bis 13.März 1998 wird durch den Kampfmittelräumdienst Hessen an der Absturzstelle eine umfangreiche Munitionsbergung durchgeführt. Bei dieser Aktion wurden 143kg Metallschrott, ein Motorträger, diverse Flugzeugteile, zwei Bordkanonen vom Typ MG 131 und viel Bordwaffenmunition gefunden und entsorgt. Anlässliche einer Abendveranstaltung im Gemeindezentrum Hüttenberg durch die Initiative Fliegerschicksale Hessen e.V. reifte der Plan nochmals an der Absturzstelle von Neukötters Maschine einige Nachforschungen anzustellen und an dem Todesort im Wald bei Vollnkirchen einen Gedenkstein aufzustellen.  Mit Genehmigung der Hessenarchäologie fand im Herbst 2015 eine umfangreiche Nachsuche an der Absturzstelle der Fw 190 statt. Dabei konnten noch mehrere Kilogramm Metallschrott geborgen werden.

Gedenkplatte vom Ehrenmal

71 Jahre später wird im Wald bei Vollnkirchen auf Initiative des Ortsvorstehers Grimm ein Gedenkstein errichtet. Mit diesem wollen die Vollnkirchner den Piloten aus dem Vergessen holen, der am 12. Mai 1944 nahe ihres Dorfes ums Leben kam. Viele Jahre nannten ihn die Menschen nur den Piloten vom Buchenwald. Erst durch die Bemühungen der Initiative Fliegerschicksale Hessen e.V. klärten sich für die Einwohner von Vollnkirchen nun die Geschehnisse des 12. Mai 1944 auf. Der Stein wurde zum Gedenken an Gerhard Neukötter und zugleich als Mahnmal für den Frieden ganz in der Nähe seines Todesortes errichtet.

Bettenhausen 12.September 1944

Hörnsheim 20.Oktober 1944

Im Zeitraum vom 09. August bis 19. August 2016 führte die Hessenarchäologie eine Lehrgrabung in Hüttenberg-Hörnsheim durch. Ziel der Ausgrabung war es, an der Absturzstelle eines deutschen Nachtjägers mittels archäologischer Methoden im Rahmen einer Regelgrabung der Landesarchäologie neue Erfahrungen zu sammeln und Grabungstechniken für solch ein spezielles Bodendenkmal zu entwickeln.Begleitet wurde diese Maßnahme von der Initiative Fliegerschicksale Hessen e.V., die im Jahre 2015 die genaue Absturzstelle ermitteln konnten und nun zusammen mit den Archäologen die Bergung des Flugzeuges und sterblicher Überreste vornehmen konnte.

In der Nacht von Donnerstag, den 19. Oktober 1944 auf Freitag, den 20. Oktober 1944 ging die Maschine mit drei Mann Besatzung verloren.

Die Maschine selbst gehörte der III. Gruppe, 7.Staffel des Nachtjagdgeschwaders 1 an. Es handelte sich um eine Me 110 G-4c/R3 mit Kennung G9+IR und der Werknummer 180532. Geflogen wurde die Maschine von dem 20jährigen Leutnant Cuno Janssen aus Büchen bei Hamburg. Mit an Bord der 21jährige Unter-offizier und Bordfunker Heinrich Kühling aus Hamburg-Neugraben und der ebenfalls 21jährige Ober-gefreite und Bordschütze Rudolf Strüwer aus Göttingen. Alle drei Besatzungsmitglieder kamen beim Absturz ihrer Maschine ums Leben.

In der Nacht vom 19. Oktober 1944 auf den 20. Oktober 1944 hatte die RAF Stuttgart und Nürnberg zum Ziel. Im Abstand von 4.5 Stunden wurde Stuttgart in zwei Wellen  von 565 Lancaster Bombern und 18 Mosquitos der 1., 3., 6. und 8. Bomber Gruppe der RAF angegriffen. 376 Menschen verloren ihr Leben, 872 Personen wurden verletzt. Die Verluste der RAF betrugen 6 Bomber. Die Stadt Nürnberg wurde mit 263 Lancaster Bombern und 7. Mosquitos der 5. Bombergruppe angegriffen. Insgesamt verloren bei diesem Angriff 306 Menschen ihr Leben. 397 Häuser und 41 Industriegebäude wurden zerstört. Die Briten verloren beim Angriff auf Nürnberg nur 2 Lancaster Bomber. 48 Mosquitos flogen einen Ablenkungsangriff auf Wiesbaden und weitere 6 Mosquitos einen Angriff auf Düsseldorf.

Bereits um 19:35 Uhr registrierten die deutschen Nachtjagdleitstellen den Einflug der RAF über Frankreich. Um die deutsche Nachtjagdführung zu irritieren, flog die RAF einen Ablenkungsangriff auf Wiesbaden und Düsseldorf. Gegen 20:00 Uhr starteten die alarmierten deutschen Nachtjagdverbände(NJG 1, 4, 6 und 101) in den Raum Frankfurt, um gegen 20:40 Uhr und 20:50 Uhr auf die inzwischen erkannten Angriffsziele Stuttgart und Nürnberg umgeleitet zu werden. Stuttgart wurde von 20:19 Uhr bis 20:44 Uhr und Nürnberg von 20:43 Uhr und 21:29 Uhr angegriffen. Auf eines dieser Einsatzziele wurde auch die Besatzung Janssen, die seit September 1944 in Fritzlar stationiert war, eingesetzt. Ohne Feindberührung landete die Besatzung Janssen auf dem Flugplatz Gießen, der "Nachtlandeklar" war. Hier wurde die Maschine aufgetankt und ggf. auch aufmunitioniert, um für einen weiteren Einsatzbefehl bereitzustehen. Dieser erfolgte wohl gegen 00:46 Uhr - 01:05 Uhr, als die deutschen Radarstationen im Raum Metz die zweite Angriffswelle auf Stuttgart  registrierten.

Die Me 110 mit der Besatzung Janssen startete also vom Flugplatz Gießen aus, um kurz danauch aus ungeklärten Umständen bei Hüttenberg-Hörnsheim in der Nähe des heutigen Lindenhofes,  um 01:07 Uhr abzustürzen. Vermerkt wurde in der Truppen-verlustmeldung, dass der Absturz kurz nach dem Start nicht mehr einwand-frei geklärt werden kann, da das Flugzeug völlig zerstört sei.  Ausgeschlossen wurde aber Feindeinwirkung, da deutlich in der Verlustmeldung ein A für Absturz unter der Rubrik Unfall eingetragen worden ist. 

Für die Besatzung Janssen gab es offenbar keine Chance mehr sich aus der Maschine zu befreien und alle drei Besatzungsmitglieder starben im Aufschlagbrand ihrer Maschine. Zeitzeugen berichteten, wie sie gegen Mitternacht einen lauten Knall hörten und Feuerschein in der Nähe von Hörnsheim wahrnahmen. Am nächsten Tag sprach sich in dem Ort schnell herum, dass ein deutsches Flugzeug abgestürzt sei. Die Absturzstelle wurde von der Luftwaffe und Gendarmarie abgesperrt. Auf dem Acker lagen Flugzeugteile umher, ein Teil des Rumpfes war abgeknickt und der vordere Teil der Maschine steckte mit beiden Motoren in einem Trichter fest. Außerdem brannte es noch und die Bordmunition detonierte fortwährend. Flugzeugteile wurden von dem Bergungsteam der Luftwaffe geborgen und zu einer Sammelstelle bei einer Baumgruppe gebracht und dort gesammelt. Später wurden diese Teile dann abgeholt und verschrottet. Die Bergungsarbeiten dauerten wohl auch eine Weile, denn die Eltern von Cuno Janssen wurden von Gießen aus verständigt und reisten per Bahn von Büchen aus zur Absturzstelle nach Hörnsheim.  Die geborgenen Überreste der Besatzungsmitglieder wurden in Gießen auf dem Neuen Friedhof in drei Einzelgräbern beigesetzt.

Janssen und Strüwer wurden auf Wunsch ihrer Angehörigen später exhumiert und in ihre Heimatorte überführt. Die Grabstelle von Heinrich Kühling befindet sich heute noch auf dem Neuen Friedhof in Gießen. Lange hielt sich in Hörnsheim das Gerücht, dass große Teile des Fliegers und der Besatzung sich immer noch unter dem Acker beim Lindenhof befinden würden. Die Initiative Fliegerschicksale Hessen e.V. forschte bereits Ende der 90iger Jahre des letzten Jahrhunderts nach der genauen Absturzstelle mit dem Ziel, den Sachverhalt aufzuklären und ggf. noch vorhandenen sterblichen Überresten eine würdige Grabstätte zurückzugeben. Dieses Ansinnen war auch ausschlaggebend für die Kooperation mit der Hessenarchäologie die Absturzstelle bei Hüttenberg-Hörnheim für die 1. Regelgrabung in Hessen auszusuchen.

Im Zeitraum vom 09.August bis 19.August 2016 wurden dann an der Absturzstelle umfangreiche Ausgrabungen durch das Archäologenteam unter der Leitung von Steven Hubbard vorgenommen. Hierbei galt es Erfahrungen zu sammeln und die Grabungstechnik einem solchen, sehr speziellen Bodendenkmal des zweiten Weltkrieges anzupassen und zu optimieren. Der  Absturztrichter wurde in mehreren Planquadraten und Profilen dokumentiert. Dabei konnten eine Vielzahl an Flugzeugtrümmern und menschliche Überresten geborgen werden.  Zahlreiche Detailbeobachtungen, die nur durch eine Regelgrabung so genau dokumentiert werden konnten, zeigten sich während der Grabungskampagne und gaben Aufschluss über das Schicksal des Flugzeuges und seiner Besatzung während der letzten Minuten.

Eintrittswinkel des Flugzeuges und Flugrichtung konnten ebenso dokumentiert werden, wie die Eintrittsstellen der zwei Daimler Benz Motoren vom Typ DB 605 und die Position der Waffenanlage und des Cockpitbereiches. Aufgrund der archäologischen Befunde bestätigten sich die Zeitzeugenaussagen, dass große Teile des Flugzeuges bereits während des Krieges geborgen wurden, ebenso wurden Belege erbracht, dass an der Absturzstelle über einen längeren Zeitraum Temperaturen von über 1300 Grad geherrscht hatten und viele Teile des Flugzeuges verbrannt waren. Der Fund der Offizierspistole in der Nähe eines Beckenknochen im Bereich der vorderen Wafffenanlage bezeichnete einwandfrei den Cockpitbereich und identifizierte die sterblichen Überreste als die des Piloten Janssen. Anhand verschiedener Munitionstypen und der geborgenen Waffen konnte einwandfrei auch der Untertyp der Me 110 als G-4c R3 mit schräger Musik(schräg nach oben feuernde Waffenanlage, bestehend aus zwei MG FF 2cm) identifiziert werden. Sämtliche Waffen- und Munitionteile wurde fachgerecht noch an der Ausgrabungstelle vom Kampfmittelräumdienst Hessen geborgen. Ende Februar 2017 werden im Rahmen einer Bachelor-Arbeit durch einen angehenden Archäologen, die an die 1000 Teile zählenden Flugzeugtrümmer ausgewertet und dokumentiert.. Fortsetzung folgt........

Rödgen November 1944

Schiffenberg 06.12.1944

Niederweimar 06.12.1944

In der Nacht vom 06. auf den 07. Dezember 1944 flog die RAF einen großangelegten Angriff auf die synthetische Treibstoffproduktion bei Leuna/Merseburg und zwei kleinere Angriffe auf die Städte Osnabrück und Gießen. Insgesamt bot die RAF für diese drei Angriffe 1291 Flugzeuge auf, von denen 20 Flugzeuge (1.5% Verlustrate) vom Feindflug nicht mehr zurückkehrten. Um 17:50 überquerte dieser mächtige Bomberstrom die Somme Mündung mit Kurs auf Nordfrankreich. Dort teilte sich der Verband in drei weitere Bomberströme auf, die mit Kurs Osnabrück (454 Bomber), Leuna (475 Lancaster und 12 Mosquitos) und Gießen ( 255 Lancaster und 10 Mosquitos) ihren Weg weiter fortsetzten. Zwischen 18:20 Uhr und 18:30 Uhr erfassten deutsche Radarstationen die einfliegenden englischen Bomberverbände und alarmierten 11 Nachtjagdgruppen mit 150 Jägern zu deren Abwehr.  Der erste größere Kampfverband der Briten flog in einer breiten Fächerung nach Norden mit Kurs auf Hannover. Diesem ersten Verband galt die Hauptaufmerksamkeit der deutschen Nachtjagdverbände, während der Gießener- und Merseburgerverband über Koblenz zunächst unbehelligt von den deutschen Nachtjägern seinen Kurs fortsetzte.  Durch gezielte Ablenkungs- und Täuschungsmanöver gelang es den Briten die deutsche Abwehr so zu täuschen, dass Osnabrück bombardiert werden konnte, ohne dass die Masse der deutschen Nachtjäger mit diesem Verband Feindkontakt hatte. Um 19:59 Uhr bekamen die deutschen Nachtjäger den Befehl in Richtung Frankfurt zu fliegen, da ein Angriff auf Frankfurt befürchtet wurde. Als um 20:03 Uhr in Gießen die ersten Markierungsbomben fielen und der deutschen Führung klar wurde, dass ein Angriff auf Gießen bevorstand, war bereits die Masse der einsatzbereiten deutschen Nachjäger in Folge Treibstoffmangel zwischengelandet und standen für einen weiteren Abwehreinsatz nicht mehr zu Verfügung. Eine Handvoll Bf 109 G-6 der 2./NJG 11 von Darmstadt-Griesheim und einige wenige Nachtjäger aus der IV.Gruppe des NJG 6 aus Gerolshofen und Kitzingen stellten sich den englischen Bombern über der Stadt Gießen. Die deutschen Jäger fanden über der bereits brennenden Stadt optimale Kampfbedingungen vor. In einem kurzen 10 minütigen Gefecht, schossen die deutschen Nachtjäger 8 feindliche Bomber im Raum Gießen ab, während die deutschen Einheiten selbst einen geringen Blutzoll entrichten mussten. Einer der deutschen Verluste in dieser Nacht war die Bf 110 G-4 mit der Werknummer 480178 und Kennung 2Z + KW. Die Maschine gehörte der IV. Gruppe aus der 12. Staffel des NJG 6 an und war von Kitzingen aus gestartet. An Bord der Maschine befand sich  der 22jährige Pilot Uffz. Karl Müller, der 20jährige Bordfunker Theodor Neudeck und der 19jährige Bordmechaniker Willi Brüseke.  Wie aus einem Polizeibericht vom 09.12.1944 hevorgeht, schlug die Bf 110 gegen 20:15 Uhr in der Gemarkung Niederweimar an der Verbindungsstrasse zwischen Niederweimar und der Frankfurterstrasse auf. Dem Absturz gingen Luftkämpfe voraus, 2 Mann der Besatzung konnten sich mit dem Fallschirm retten und wurden in die Klinik in Marburg eingeliefert.

Uffz. Karl Möller links und Uffz. Theodor Neudeck

Dabei handelte es sich um den Piloten Uffz. Karl Möller der mit einem Kniedurchschuss und leichten Brandwunden im Gesicht und an den Händen mit dem Fallschirm bei Ronhausen niederging, sowie um den Bordmechaniker Willi Brüseke der mit leichten Brandverletzungen bei Beltershausen mit dem Fallschirm zu Boden kam. Beide wurden in die Chirurgische Klink nach Marburg verbracht. Das Schicksal des Bordfunkers Theodor Neudeck kann man aus dem Polizeibericht des Hauptwachtmeisters der Gendarmarie  Freiberg vom 07.12.1944 entnehmen.

" Am 06.12.1944 gegen 19:40 Uhr stürzte in der Gemarkung Niedeweimar an der Verbindungsstrasse zwischen Niederweimar und der Frankfurterstrasse ein deutscher Zerstörer ab.  Von dem Flugzeug sind nur noch  geringe Kleinigkeiten an Blechteilen zu finden.  Die Maschine ist in dem weichen Ackerboden vollständig verschwunden. Das Flugzeug ist total verbrannt.

Theodor Neudeck als Ogf. im Frühjahr 1944

Etwa 25 mtr. von der Einschlagstelle entfernt habe ich die Leiche eines Piloten gefunden. Daran habe ich erkennen können, dass es sich um ein deutsches Flugzeug handelte. Außer mehreren Beinbrüchen war an Beinen und Händen die Haut angebrannt und abgezogen. Die Kleidung war zum Teil vernichtet. Die Gurte der Fallschirmvorrichtung waren fest am Körper, ein Fallschirm war jedoch nicht mehr zu sehen. Die Papiere der Leiche habe ich durchsucht und alle vorhandenen Gegenstände sowie Papiere sichergestellt. Es handelt sich um den Uffz. Theodor Neudeck, geb. 19.04.24 in Weißenthum. Wohnung und Name des Vaters ist Franz Neudeck in Miesenheim b//Unternach am Rhein.

Bordmechaniker Willi Brüseke vor einer Bf 110 G-4

Fliegerhorstkommandantur Kitzingen a/Main. Sonderausweis Nr. 15, Erkennungsmarke 39/329, Feldposteinheit L 61875 L.G.P.A. München. Der tote Flieger ist in die Leichenhalle  in Niederweimar gebracht worden. Eine Bewachung der Absturzstelle durch die Landwacht halte ich nicht für erforderlich da keinerlei Munition oder sonstige Geräte zu finden sind."

Die Leiche von Neudeck wurde vom Schreinermeister Johann Grebe eingesargt. Am 11. Dezember 1944 morgens um 09:00 Uhr fand auf dem Friedhof in Niederweimar bei dichtem Schneetreiben unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und einer Ehrenkompanie der Wehrmacht die Beisetzung von Neudeck statt. Sein Grab befindet sich noch heute auf dem Ortsfriedhof von Niederweimar.

Fast 63 Jahre vergingen bis die Absturzstelle bei Niederweimar aus dem Dornröschen-schlaf der Vergangenheit geholt wurde. Im Zuge der Straßenverbreiterung der B3 und der damit einhergehenden neuen Verkehrsführung und Standortverlagerung des Kieswerkes bei Niederweimar, rückte die Absturzstelle in das Interesse des Vereins für Fliegerschicksale Hessen e.V. Es bat sich hier die einmalige Gelegenheit umfangreiche Ausgrabungen an der Absturzstelle vorzunehmen, mit dem Ziel noch vorhandene Flugzeugtrümmer zu bergen und zu sichern. Im Vorfeld gruben bereits die Archäologen in der Nähe der Absturzstelle steinzeitliche Befunde aus und fanden dabei immer wieder kleinere Trümmerstücke der Messerschmitt Maschine vom Typ Bf 110 G-4. Nachdem alle Genehmigungen vorlagen, konnte der Verein am 10. November 2007 die Ausgrabungsarbeiten bei Niederweimar mit Unterstützung des Kampfmittelräumdienst Hessen, des THW Grünberg und des THW Marburg durchführen.

 

 

Gefunden wurde einer der ursprünglich zwei DB Motoren Typ 605, 2 MK 108, 2 MG 151/20, ein MG 81Z, sowie zwei MG FF der schrägen Musik.  Ein Fahrwerksbein und die fast vollständig erhaltene Panzerung der Maschine, waren neben dem Motor, die Highlights dieser Bergung. Das Schicksal des 20 jährigen Bordfunkter Theodor Neudeck konnte ebenfalls bei dieser Aktion aufgeklärt werden. Offensichtlich gelang Neudeck der Ausstieg aus dem Flugzeug. Durch verfrühtes Ziehen der Reisleise des Fallschirms verfing sich der Fallschirm am Leitwerk der Maschine und zog Neudeck mit zu Boden. Beim Aufprall, oder bereits noch in der Luft,  wurde Neudeck vom Leitwerk und Fallschirm getrennt und schlug unmittelbar neben dem Flugzeug auf dem Acker auf. Bestätigt wurde diese Annahme dadurch, dass sich Überreste der Fallschirmseide verklemmt in geborgenen Leitwerksteilen fand. Im Sommer des Jahres 2016 besuchte die Schwester von Neudeck das Grab und die Absturzstelle ihres Bruders in Niederweimar. Ein Besuch im Flugzeugwrackmuseum schloss sich an! Für das Jahr 2017 ist ein weiterer Besuch geplant

Beltershain 03. März 1945

Bottendorf 12. März 1945

Wir freuen uns, Sie auf unserer Homepage begrüßen zu können. Informieren Sie sich auf unserer Internetpräsenz über unseren Verein und das Flugzeugwrackmuseum. Sie finden auf den verschiedenen Seiten Informationen rund um den Luftkrieg in den Landkreisen Gießen und Marburg. In unserem Museum stellen wir zum großen Teil Flugzeugwrackfunde aus der Zeit des zweiten Weltkrieges aus der näheren Umegebung aus. Vor Ort stehen Ihnen die Vereinmitglieder für persönliche Fragen und Auskünfte zum Luftkrieg in den Landkreisen Gießen und Marburg zu Verfügung. Wir freuen uns auf Ihren Besuch in unserem Museum und bedanken uns für Ihren Besuch auf dieser Website.

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